Mittwoch 24. Mai 2017

Inhalt:

Renate Witzani, Ärztin

 

 


 

 


» Was hat Sie motiviert, wieder in die Kirche einzutreten?

 

Ich bin ausgetreten und hatte von Anfang an das Gefühl, das stimmt nicht für mich: Ich bin zwar weiterhin in den Gottesdienst gegangen, aber mir ist die Gemeinschaft abgegangen, das Wissen, dazu zu gehören. Anfänglich dachte ich noch, ich würde mich mit der Zeit an diesen Zustand gewöhnen. Das ist aber nicht passiert, ich habe mich außerhalb der kirchlichen Gemeinschaft einfach nicht wohl gefühlt. Nach vier Jahren habe ich beschlossen, dem ein Ende zu setzen und wieder einzutreten.

 

» Was waren die nächsten Schritte?

 

Ich habe einfach den Schritt zurück in die Kirche gemacht. Kurz danach bin ich auf das Angebot "Ausgetreten und trotzdem gläubig" im Stift Göttweig gestoßen. Das hat mich angesprochen, denn ich wusste: Die Kirche hat sich in diesen vier Jahren, in denen ich ausgetreten war, nicht wesentlich verändert. Also wollte ich meine Einstellung zu ihr ändern. Das ist auch geglückt. Ich kann die Menschen in der Kirche heute mit all ihren Fehlern annehmen und trotzdem das göttliche in der Kirche sehen.

 

» Warum sind Sie damals aus der Kirche ausgetreten?

 

Als junger Mensch habe ich nach dem Konzil geglaubt: Jetzt bekommen wir endlich die Kirche, die wir uns gewünscht haben. Das ist nicht passiert und das hat mich sehr enttäuscht. Dann kamen noch all die altbekannten Geschichten, in denen sich zeigte, dass die Kirche nicht aus vollkommenen Menschen besteht. Heute, da ich älter bin, kann ich das gut verkraften und weiß, dass diese Menschen trotz ihrer Fehler auch positive Seiten haben und hatten. Damals war mir das ein Gräuel und so bin ich ausgetreten. Ich wollte ein Zeichen setzen.

 

» Hat sich an dem, was Sie damals gestört hat, etwas verändert?

 

Ich habe mich verändert: Ich weiß jetzt, dass wir uns die Kirche nicht so machen können, wie wir sie wollen. Die Kirche ist die Kirche Jesu Christi. Und das zeigt sich unter anderem daran, dass sie nach 2000 Jahren immer noch seine Botschaft weiter gibt, trotz der fehlerhaften Menschen, die sie tragen.

 

» Was ist die Kirche heute für Sie?

 

Jene Gemeinschaft, in der ich glauben kann – denn alleine ist glauben einfach nicht möglich, man braucht das gemeinsame Feiern und den Austausch. Deswegen engagiere ich mich sehr aktiv in meiner Pfarrgemeinde und studiere hobbymäßig Theologie. Gemeinsam mit P. Christian leite ich seit einiger Zeit die Wochenenden "Ausgetreten und trotzdem gläubig" im Stift Göttweig: Es ist schön, den Menschen eine Hilfe im persönlichen Glauben anzubieten, ohne dabei Druck auszuüben, wieder in die Kirche einzutreten.

 

 

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